Dipl. Arch. ETH  Hitsch (Christian) Benjamin Largiadèr-Eugster Markus Felix Largiadèr Helene Eva Largiadèr-Sigg Prof. Dr. med. Felix Anton Largiadèr-Sigg Dr. med. Ursina Helene Largiadèr Nufer Dr.med. Philipp Ernst Largiadèr-Nouk Dr. med. Thomas Martin Largiadèr

Anton Philipp Largiadèr

Felix und Helene Hans Philipp Fritz Anton Philipp Philipp Herkunft Stammbaum
Philipp
     

Anton Philipp Largiadèr

 
25. 11. 1831 – 31. 12. 1903
 
Sohn des Philipp Largiadèr und seiner Frau Anna, geb. Caratsch.
 

Verheiratet in erster Ehe mit Julia Waser von Hünikon-Neftenbach (4. 5. 1839 – 24. 1. 1870; gestorben im Kindbett),

in zweiter Ehe im Frühjahr 1871 mit Barbara Wilhelmina (Mina) Weber von Egg ZH (19. 12. 1843 – 11. 8. 1906).

 

Kinder aus erster Ehe: Julia Anna (1860-1944), verh. mit Pfarrer Diethelm Meyer, Weinfelden, Philipp Anton (1861), lebte nur 15 Tage, Friedrich Philipp (Fritz) (1863-1939), Maria Theresia (1864-1879) Anton Bartholomäus (1866-1942), SBB-Beamter, verh. mit Elisa Uehlinger, Julius Philipp (1870-1913), mit 17 Jahren ausgewandert und verschollen und

aus zweiter Ehe: Fanny Lina (1872-1942), Gattin des Solothurner Augenarztes Arthur Gloor.

 

Am 25. November 1831 in Sta. Maria Val Müstair geboren als Sohn des Landwirts, Müllers, Dorfschmieds und Tierarztes Philipp und seiner Frau Anna. 11 Geschwister.

 

Primarschule (nur im Winter!) in Sta. Maria.

 

Mit knapp 14 Jahren Wanderung nach Köln, um dort bei einem Landsmann eine Lehre als Zuckerbäcker anzutreten.

 

Im Frühjahr 1848 wegen Heimweh und fehlender Neigung zur Konditorei vorzeitige Heimkehr. Bei der Überquerung des Julierpasses im Schneesturm fast erfroren.

 

Im Herbst 1848 ohne weitere Vorbildung, als Autodidakt Primarlehrer in Lü. Diese Tätigkeit gefiel ihm so gut, dass sie seinen weiteren Lebensweg bestimmte.

 

Im folgenden Sommer auf Drängen der Eltern Vollendung der Lehre in Besançon. Er brachte aber vor allem Französischkenntnisse und den Drang zur Schule heim.

 

Anschliessend während zwei Wintern Lehrer der Dorfschule von Tschierv. Im Sommer Mithilfe bei der Vermessung des Tals für die Dufour-Karte.

 

1852 Eintritt in die Lehrerbildungsanstalt der Kantonsschule Chur. Dank seiner grösseren Lebens- und Berufserfahrung schon nach 2 Jahren (anstatt nach 3) Lehrerpatent I. Klasse. Anschliessend noch ein Jahr im Gymnasium Chur.

 

Im Frühling 1855 Eintritt in den Vorkurs des im Herbst zu eröffnenden Eidg. Polytechnikums Zürich, finanziert durch Privatstunden, Beiträge von befreundeten Familien und ein kleines Stipendium.

 

Am 15. Oktober 1855 Einweihung der Eidg. Technischen Hochschule ETH (damals Eidg. Polytechnikum Zürich). Anton Philipp liess als Vertreter der Studentenschaft in einer kurzen Ansprache die Initianten der Schule hochleben. An der ETH Fachlehrerausbildung für Mathematik und Geographie.

 

Nach 4 Semestern Studium Wahl an die Kantonsschule Frauenfeld als Lehrer für Mathematik und Geographie und als Aufseher des Konvikts.

 

Religionsunterricht gehörte (wie auch später) immer dazu. 1859 Heirat mit Julia Waser.

 

Im Herbst 1861 Berufung nach Chur als Direktor des bündnerischen Lehrerseminars (der Kantonsschule angeschlossen).

 

Einarbeiten in Pädagogik und Methodik; als Lehrer unterrichtert er Mathematik, Geographie und Deutsch. Verbesserung des Handarbeitsunterrichts für Mädchen. Sein Plan, das Lehrerseminar von der Kantonsschule abzutrennen und zu verselbstständigen, wurde vom Grossen Rat schliesslich verworfen.

 

Im Frühjahr 1869 Berufung als Direktor des Lehrerseminars Mariaberg in Rorschach durch den Erziehungsrat des Kt. St. Gallen. Im folgenden Jahr starb seine Frau Julia nach der Geburt des sechsten Kindes.

 

1872 liess er sich zwecks Vertretung von schulischen Anliegen in den Kantonsrat wählen, und im folgenden Jahr offerierte er interessierten Frauen einen Einführungskurs als Handarbeitslehrerinnen. Als Kantonsrat wurde er aber gegen seinen Willen in den im Kanton St. Gallen besonders hitzigen politischen und konfessionellen Kulturkampf hineingezogen, was ihn zur Annahme eines Rufs nach Pfalzburg bewog.

 

1876 – 1879 in Pfalzburg im (seit 1871 deutschen) Elsass-

 

Anton Philipp als Seminardirektor in Rorschach

 

Anton Philipp als
Seminardirektor in Rorschach

Lothringen zum Aufbau des neu gegründeten Lehrerseminars. Als Schweizer gelang es ihm leicht, den Kontakt mit den Verlierern und Gewinnern des deutsch-französischen Krieges, den Franzosen und den zugezogenen Deutschen herzustellen.

 

1879 wurde ihm die Errichtung und Leitung eines evangelischen Lehrerinnenseminars in Strassburg übertragen. In dieser Zeit entstand sein beruflich-schriftstellerisches Hauptwerk, das Handbuch der Pädagogik. Als Schulleiter und Staatsangestellter hatte er die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen.

 

Um seine Söhne vor dem deutschen Militärdienst zu bewahren und um seine Kenntnisse der Heimat zur Verfügung stellen zu können, bewarb er sich im Herbst 1885 um eine offene Stelle in Basel.

 

Im Frühjahr 1886 Antritt dieser Stelle: Inspektor (Rektor) der Mädchenprimarschule Basel.

 

Am 31. Mai 1886 Verleihung der Ehrendoktorwürde (Dr. phil. h. c.) durch die Philosophische Fakultät der Universität Basel. Die Laudatio rühmt Largiadèrs langjährige Tätigkeit als Ausbildner von Volksschullehrern, sein Handbuch der Pädagogik und seine weiteren Schriften.

 

Noch im gleichen Jahr Habilitation an der Philosophischen Fakultät für Pädagogik und ab Sommersemester 1886 als Privatdozent zweistündige Vorlesung im pädagogischen Seminar „Geschichte des Unterrichtwesens von der Reformation bis zur Gegenwart“, ab 1889 „Systematische Einführung in die Pädagogik und Schulkunde“, und ab 1892 theoretische und praktische Einführung der Kandidaten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung in den Lehrerberuf.

 

Von 1890 bis 1899 vertrat er das Spalenquartier Basel im Grossen Rat.

 

Anton Philipp Largiadèr als Rektor in Basel

 

Anton Philipp Largiadèr als Rektor in Basel

 

Ab 1892 auf Aufforderung des Regierungsrates Rektor der Töchterschule Basel, bis anhin ein reines Lehrerinnen-Seminar. Einführung von Simultanklassen. Verbesserung des Unterrichts für Schwachbegabte. 1894 Eröffnung einer merkantilen Abteilung. 1896 schuf er die Ausbildungsmöglichkeit für Kindergärtnerinnen, und für Frühjahr 1898 plante er die Errichtung einer Gymnasialabteilung mit Maturität, weil die Universität neuerdings auch Frauen zuliess.

 

Im Januar 1898 erlitt er während einer Schulstunde einen Hirnschlag mit Lähmungen, von dem er sich aber nicht mehr richtig erholte. Im Herbst 1899 Rücktritt als Rektor und Lehrer und von allen öffentlichen Ämtern. Während der nächsten 2 Wintersemester noch Vorlesungen über Pädagogik privatissime im kleinen Kreis.

 

Am 31. Dezember 1903 stirbt Anton Philipp Largiadèr.

 

In der Abdankungsfeier vom 3. Januar 1904 in der Pauluskirche Basel predigte Pfr. A. Altherr über „Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert“ (Lukas 12, 48).

„Das Verhältniss guter Eltern zu ihren Kindern bezeichnet die Stellung des Lehrers zu seinen Schülern ganz vollständig. Die gleiche Liebe und Nachsicht, der selbe Ernst und die nämliche Milde, dieselbe treue Sorge und gewissenhafte Leitung, welche gute Eltern ihren Kindern in jeder Beziehung widmen, selbstverständlich widmen, ohne nachzudenken, als könnte es gar nicht anders sein - das alles und in der gleichen Weise muss es der Lehrer seinen Schülern zu Theil werden lassen.“ (Volksschulkunde, S. 394)

 

Auszug aus dem Schriftenverzeichnis von Anton Philipp Largiadèr:

 

Das axonometrische Zeichnen. Verlags-Comptoir, Frauenfeld und Lehe 1858

 

Praktische Geometrie. Anleitung zum Feldmessen, Höhenmessen und Nivellieren. 2. Auflage. Friedrich Schulthess, Zürich 1867

 

Volksschulkunde. Zweite durchgesehene und verbesserte Auflage. 430 S. Friedrich Schulthess, Zürich 1871

Erster Teil. Bedeutung und soziale Stellung der Volksschule. Zweiter Teil. Aufgabe der Volksschule und Gliederung derselben.
Dritter Teil. Die Mittel zur Lösung der Aufgabe der Volksschule. I Der Unterricht, II Schulordnung. Anhang. Über den Unterricht in weiblichen Handarbeiten.

 

Ulrich Zwingli. Zur Feier des 400 jährigen Geburtstags des Reformators. C. F. Schmidt’s Universitätsbuchhandlung, Strassburg 1884

 

Handbuch der Pädagogik. Vier Teile, 3 Bände. Friedrich Schulthess, Zürich 1883 - 1885

 

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