Herkunft der Familie Largiadèr
Die Familie Largiadèr stammt aus dem bündnerischen
Val Müstair (Münstertal), der äussersten
südöstlichen Ecke unseres Landes, und sie ist
dort seit mehr als 500 Jahren nachgewiesen.
Das Geschlecht der Largiadèr
Eine erste Erwähnung dieses Namens im Val Müstair
datiert von 1432 im Klosterurbar Müstair: Simon Largader
von Valchava. Ob dessen Vorfahren kurz zuvor zugewandert
sind, wie der Chronist Pater Albuin Thaler vermutet, lässt
sich weder beweisen noch widerlegen. Die zweite Erwähnung
findet sich in der Liste der Münstertaler Truppen,
welche zusammen mit anderen Bündnern in der Schlacht
an der Calven (Chalavaina) am Morgen des 22. Mai 1499 die
österreichischen Truppen des Kaisers Maximilian besiegten.
Erwähnt ist in dieser Liste ein Simon Largeder, vielleicht
derselbe, der 1502 in Valchava nachgewiesen ist. Von diesem
Simon führt ein lückenloser Stammbaum bis zum
heutigen Tag (siehe Stammbaum).
Der Name hat eine eindeutige sprachliche Wurzel und bezeichnet
einen Beruf: Largiadèr bedeutet Lärchenharz-Sammler.
Der auf der Sonnenseite des Tals vorherrschende Nadelbaum
ist die Lärche (larsch), Lärchenharz heisst largià,
und der Sammler dieses Harzes (zwecks Verkauf vorwiegend
im Unterland!) ist der Lärchenharzer oder largiadèr.
Im Familienwappen steht deshalb eine Lärche ; Lärche
und Fuss sind grün, der Hintergrund blau.
Die im Tal ansässigen Largiadèr waren seit
jeher und sind auch jetzt noch entweder Bauern oder Handwerker,
wie Müller, Eichmeister, Schreiner oder Schmied; ein
öffentliches Amt wie Gemeindepräsident, Mastral
oder Richter wurde immer im Nebenamt bekleidet.
Von jeher bot aber das karge Hochtal nur einer beschränkten
Zahl von Einwohnern Existenzmöglichkeiten, auch bei
sehr geringen Ansprüchen in den damaligen ärmlichen
Verhältnissen. Seit dem 18. Jahrhundert zogen deshalb
junge Leute fort, ins Engadin, ins Puschlav und nach Italien,
ins Unterland, nach Danzig, Stettin oder Köln als Zuckerbäcker,
und schliesslich ins gelobte Land Amerika. So gab es bald
einmal mehr Largiadèr in der Fremde als im heimatlichen
Tal; dort leben im Moment noch zwei Familien.
Früher unterschied man nicht zwischen Wohnort und
Bürgerort. Bei der Einführung des eidgenössischen
Zivilgesetzbuchs um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde
der momentane Wohnort auch zum Bürgerort. Deshalb wurde
Anton Philipp Largiadèr Bürger von Santa Maria
und mit ihm auch alle seine Nachkommen, also auch die Familie
Felix Largiadèr. Andere Largiadèr sind Bürger
von Lü, Pontresina oder Chur.
Das Val Müstair
Geographie
Das Val Müstair beginnt am Pass dal Fuorn (0fenpass)
auf 2149 m. Es senkt sich über 20 Kilometer vorerst
nach Südosten und dann nach Nordosten, und es endet
nach dem Engnis der Chalavaina auf 971 m, wo der Vinschgau
beginnt. Hoch an der oberen linken Talseite liegt Lü,
im Talboden Tschierv, Fuldera, Valchava, Santa Maria und
Müstair. Unmittelbar nach der Grenze zu Italien und
auf gleicher Höhe wie Müstair (1247 m) folgt noch
das Dorf Taufers. Das Tal wird vom Rom durchflossen und
entwässerst, entspricht also dem fünften und kleinsten
Stromgebiet unseres Landes: der Rom ergiesst sich wenige
Kilometer ausserhalb des Tals in die Etsch, welche das Südtirol
und Oberitalien durchfliesst und nördlich von Venedig
in die Adria mündet. Der höchste Berg des Tals
ist der 3180 m hohe Piz Murtaröl. Den vom Stilfersjoch
her ziehenden Grenzkamm, welcher das Tal gegen Osten abschliesst,
beendet der 2762 m hohe Piz Chavalatsch, der östlichste
Punkt der Schweiz.
Geschichte
Das Val Müstair stand (wie auch das Unterengadin)
seit dem Ende des römischen Kaiserreichs unter dem
lockeren Einfluss des Bistums Chur. Der fränkische
Kaiser Karl der Grosse stiftete kurz vor dem Jahr 800 ein
Kloster (Monasterium), welches dem Ort und dem ganzen Tal
den Namen gab und dem Bistum Chur unterstellt wurde. Die
Einflussgebiete des Bischofs wurden später im Gotteshausbund
zusammengefasst. Dieser verbündete sich nach 1450 mit
dem Grauen Bund und dem Zehngerichtebund und 1498 (ohne
den Bischof!) mit der alten Eidgenossenschaft (ohne Bern).
Oesterreich hatte in der Zwischenzeit die Grafschaft Tirol
behändigt. Kaiser Maximilian I war an den Alpenpässen
hochgradig interessiert und sandte deshalb ein Heer gegen
Rätien. Die Münstertaler erhielten aber dank ihrer
Bündnisse militärische Verstärkung von den
anderen Bünden und von den Eidgenossen. In der (schon
erwähnten) Schlacht an der Chalavaina schlugen sie
am 22. Mai 1499 das kaiserliche Heer. Dies brachte den Eidgenossen
und Bündnern dank weiterer Siege im Schwabenkrieg die
de facto-Unabhängigkeit vom Reich; die formelle Loslösung
brachte erst der Westfälische Friede 1648 am Ende des
30-jährigen Kriegs.
Aber dieser Friede beendete das alte Feudalsystem noch
nicht. Der Bischof von Chur hatte Hoheitsrechte im Münstertal,
aber wegen andauernder Widerspenstigkeit der katholischen
und der protestantischen Bevölkerung bot Bischof Ulrich
VII 1728 das Tal für 10'000 Gulden dem österreichischen
Kaiser Karl VI. zum Kauf an, nota bene ohne die erforderliche
Zustimmung des Gotteshausbundes. Schliesslich konnten sich
die Münstertaler aber freikaufen und sind seit 1763
wirklich frei. Im Jahr 1803, im Zuge der Neuordnung der
Schweiz unter Napoleon, wurden die seit 1524 vereinigten
drei Bünde (ohne Veltlin!) als Kanton Graubünden
der Eidgenossenschaft angeschlossen.
Sprache und Religion
Nach dem Zerfall des römischen Kaiserreichs und während
der Völkerwanderung blieb Rätien während langer
Zeit eine wenig behelligte Insel, wo sich Sprache und Kultur eigenständig
weiterentwickeln konnten. Im Hochmittelalter wurde auch in Teilen
des Vinschgaus und im Nordtirol bis hinunter nach Landeck Ladinisch
gesprochen. Dann drängte das erstarkende Habsburgerreich
über Jahrhunderte das Rätoromanische zu Gunsten der
deutschen Sprache zurück.
Ab 1550 akzentuierte die Reformation diese Entwicklung. Die Einwohner
von Tschierv bis Santa Maria bekannten sich zur neuen Konfession,
währenddem Müstair unter dem Einfluss des Klosters und
der Gegenreformation zum alten Glauben zurückkehrte. Dies
führte zu einer sprachlichen und konfessionellen Zweiteilung,
die mit Ausnahmen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Bestand
hatte: der obere Teil des Val Müstair vorwiegend rätoromanisch
(Jauer, ein Dialekt des Ladinischen) und reformiert, Müstair
hingegen auch deutschsprachig und katholisch. Auf den Zusammenhalt
der Münstertaler hatte dies aber keinen Einfluss, und heute
ist eine weitere Durchmischung zu verzeichnen.
Neue politische Organisation
Am 1. Januar 2009 haben sich die bisherigen sechs Gemeinden des Val Müstair (Tschierv, Lü, Fuldera, Valchava, Sta. Maria, Müstair) zur „Cumün da Val Müstair“ zusammengeschlossen. Das Gemeindewappen zeigt Karl den Grossen. Die bisherigen Gemeinden wurden zu Fraktionen (fractiuns). Für den neuen Gemeinderat stellt jede Fraktion ein Mitglied (für Sta. Maria Jon Largiadèr) mit Ausnahme von Müstair, welche als grösste Fractiun zwei Mitglieder abordnet. Die Fractiuns behalten ihre bisherige Postleitzahl; Hauptpost ist Scuol. Das Zivilstandswesen wurde schon vorher zusammen mit der Engiadina Bassa und dem Samnaum im Uffizi da stadi civil in Ramosch zentralisiert. Auch das Schulwesen wurde schon neu organisiert; so gehen z.B. die Kinder von Sta. Maria nach Valchava in den Kindergarten, nach Müstair in die Primarschule und bleiben am Ort für die Sekundarstufe.
Val Müstair als UNESCO-Biosphäre?
Das Val Müstair bemüht sich zusammen mit dem Nationalpark, von der Unesco als „Biosfera Val Müstair – Parc naziunal“ ausgezeichnet zu werden. Um den Anforderungen zu genügen, wird die Kernzone (Nationalpark) um eine Pflegezone (vor allem Val Mora), um Ruhezonen für die Wildtiere und um eine Entwicklungszone im besiedelten Teil des Tals ergänzt. Ein sechsköpfiges Gremium soll die Arbeiten überwachen und vorantreiben. Mit 19 Teilprojekten wird die Infrastruktur gestärkt, das Tal touristisch attraktiver gemacht und der Naturschutz verbessert; schon ausgeführt ist u.a. die Renaturierung des Rom. |